Theorie der Malerei. Zeitgenössische Kunst ist immer auch Kasteiung. Man tut Buße dafür, dass man auf die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit der Museen und Galerien reingefallen ist, dass man den bedeutsamen Text über Malerei geglaubt hatte, obwohl er eigentlich zu schön um wahr zu sein schien, aber Schwamm drüber. Und wenn man dann einmal matt ist von dem Gepinsel, von den Videoarbeiten über Polizeigewalt in den USA, verfolgte kurdische Rapper in Istanbul und Bootsflüchtlinge aus Afrika, dann besorgt man sich einen laktosefreien Decaf Moccacino und ein glutenfreies Flatbread im Museumscafé. Wenn nur diese verdammten Grcic-Stühle nicht wären, unbequem als wäre das alles eine Strafe, die man verdient hätte für den Glauben an etwas Höheres. Aber – seit dem Aufstieg des Kunstmarktes zu einer Milliardenindustrie und dem aufkommenden Glamour, in einer lange als spröde und verkopft bekannten Sparte, begeistern sich auch Kuratoren und die progressiv-akademische Kunstkritik mehr und mehr für die Idee einer marktfernen Kunst, also einer, die nicht von Millionären, dafür aber von Kunstakademien, Kunstvereinen, staatlichen Arbeitsstipendien und öffentlich finanzierten Ausstellungshäusern abhängig ist.

Die Trennung in marktaffine und marktferne Kunst ist ein anhaltender Trend. Die Distinktion geht dabei von der Kuratorenkunst aus. Es ist eine bewährte Technik: Man trennt einen dubiosen, undurchschaubaren Komplex auf und schneidet ihn in einen guten und einen schlechten Teil. Mit dem guten identifiziert man sich, von dem schlechten will man nichts wissen. Ein System, das so offen undemokratisch ist und so lustvoll exklusiv wie Kunst oder Malerei, muss, wenn es seine gesellschaftliche Legitimation und also seine Geschäftsgrundlage behalten will, eine ausgestellte Selbstkritik betreiben. Dazu dient der gute Teil und erfüllt diesen Zweck besser als jemals zuvor.

Die linke Kunstkritik weiß aber auch besser als irgendjemand sonst, dass bildende Kunst in erster Linie von Reichen finanziert wird. Krankenschwestern sammeln keine Videokunst, Maurer stiften keine Museen und Eisverkäufer malen nicht schwarz. Bedeutende Sammlungen des 20. Jahrhunderts konnten noch von gut verdienenden Ärzten und Rechtsanwälten, ohne Millionenerbe oder Familienkonzern im Hintergrund aufgebaut werden. Das ist heute fast unmöglich – Gentrifizierung auf allerhöchstem Niveau: nicht mal einfache Millionäre können noch Gerhard Richter kaufen oder einen Baselitz. Die bildende Kunst ist eine andere geworden, so wie die Welt eine andere ist als vor zwanzig Jahren. Das System Kunst existiert eben nicht in einem universellen, abstrakten Raum, die Kunst entsteht in real existierenden Gesellschaften, und die sind eben so organisiert, wie sie organisiert sind. Es ist daher gut möglich, dass es in zehn Jahren keine Kunst mehr geben wird. Aber es ist unwahrscheinlich, dass das weniger wichtig genommen wird – so die Theorie.
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